Stimmt schon: Autojournalist ist ein Traumjob. Ständig fährt man die neuesten, schönsten und schnellsten Autos. Reist an spektakuläre Orte. Schreibt über das, was man am liebsten hat. Doch selbst Traumjobs haben Nachteile. Wirklich. Beispiel gefällig? Je nach größe des eigenen Freundeskreises kann es zwischen drei und fünf Jahre dauern, bis ebendieser davon überzeugt ist, dass man als Autojournalist auch tatsächlich arbeitet. Auf gut Österreichisch: hakelt. Beim Testfahren ständig auf der Suche nach einem originellen Fotomotiv. Bei jedem Lenkeinschlag prüfend, ob der aktuelle motorisierte Lebensabschnittspartner unerwartete Schwächen oder Eigenarten offenbart. Technische Daten recherieren, abtippen, auswendig lernen, mit der potenziellen Konkurrenz vergleichen.
Okay, zugegeben, das ist jetzt Jammer auf hohem Niveau. Kann mir ja egal sein. Ich bin ja derjenige, der neue Autos fährt, während andere im Büro sitzen. Und eigentlich ist es ja genau DAS, was mir als Brummbrumm-Journalist am meisten Spaß macht. Das Fahren. Das Vergleichen. Die Benzingespräche mit Gleichgesinnten.
Das Komplizierte daran: Nichts (außer vielleicht der Frauengeschmack) ist so subjektiv wie die Meinung zu Autos: „Ich hab gehört, du bist den neuen Audi A1 gefahren. Schon wieder so ein Frauenauto.“ Oder: „Gell, den neuen A1, den hätten sie sich bei Audi sparen können, meinst du nicht auch?“ Das Thema Auto ist basisdemokratisch. Fast jeder darf es (von können wollen wir nicht reden). Deshalb redet auch jeder darüber. Und erwartet vom Experten spezifische, auf die jeweilige individuelle Lebenssituation zugeschnitte Bestätigungen der eigenen Meinung. Enttäuscht man diese Erwartungshaltungen, war es von vornherein klar: „Ist ja bloß ein Autojournalist. Der weiß ja nix. Der hakelt ja nix.“
Als lernfähiger Mensch ziehe ich daraus meine Lehren. Erwartungshaltungen der Zielgruppe zu enttäuschen ist böse. Ein No-go. Großes Pfui! Einem begeisterten Fan das Traumauto madig zu schreiben ist, als würde man dem besten Freund ins Gesicht sagen, dass man seine neue Freundin für einen dummen Trampel hält. Beides mag objektiv gesehen zutreffend und notwendig sein. Nett ist es jedenfalls nicht.
Aus diesem Grund starte ich hiermit und heute ein einmaliges Experiment: Die neue Art der Autobewertung. Tendenziell. Subjektiv. Nett. Schließlich weiß in Zeiten von Google, Wikipedia & Co. jeder 9-Jähriger besser über die Daten eines neuen Autos bescheid. Die technischen Daten stehen sowieso auf www.audi.at.
Der Audi A1 ist ein kleines, fesches Auto mit winzigem Motor und trotzdem relativ viel Wumms. Das DSG-Getreibe geht wirklich bistdudeppat, der Kofferraum ist solala. Ich halte ihn keinesfalls für ein Frauenauto, würde als Mann aber trotzdem nicht zum Klassentreffen damit fahren. Es gibt ihn in vielen bunten Farben, wie fast jedes Auto schaut er in schwarz aber trotzdem am besten aus. Der Dieselmotor ist sparsam, deshalb sicher die bevorzugte Wahl. Ich würde trotzdem den TFSI-Benziner nehmen. So halt. Achja – der Preis. Der A1 kostet nicht gerade wenig. Aber nicht so viel wie befürchtet.
Eigentlich müssten jetzt alle glücklich sein. Oder etwa nicht?













