Sind die Tage des Oktan-Donners schon gezählt? Summen wir demnächst in rollenden Rasierapparaten zur Arbeit? Oder ist der ganze Zauber genauso schnell wieder vorbei wie der schneidige Griff an den Elektrozaun? Vom Elektro-Knauserer zum PS-Haudrauf und vom Liter-Lulatsch wieder zurück zum Schmalspur-Hybrid – noch nie war die Spannweite der Modelle so groß wie bei der diesjährigen IAA. Mit dem R8 Spyder und der Studie „e-tron“ versucht Audi die Grätsche zwischen alter und neuer Auto-Philosophie.
Allgemeines
IAA-Tagebuch, Teil 2: Audimax
IAA-Tagebuch, Teil 1: Déjà vu
Wie sich die Jahre gleichen: Vor genau zwei Jahren läutete mein Wecker (der Depp) ebenfalls um 3 Uhr in der Früh. Genauso wie damals stieg ich auch heuer ins Auto, um die 550 dunklen Autobahn-Kilometer nach Frankfurt herunterzuradeln. Genauso wie damals rettete auch heuer der geniale Expresso am Alfa-Stand den Tag. Genauso wie damals steht auch heuer die IAA im Zeichen des Umweltschutzes. MOMENT. Etwas ist anders.
Entenbürzel reloaded: 911 Sport Classic
Für einen besonders elitären Kundenkreis hat Porsche tief in den Genen des Ur-Elfers gekramt, hie und dort ein bisserl gedopt und geklont und das Ergebnis dann mit dem aktuellen Modell gekreuzt. Herausgekommen ist der 911 Sport Classic, ein auf 250 Exemplare limitiertes Sondermodell von „Porsche Exklusive“.
Über drei Jahre hinweg wurde dieser ganz spezielle Elfer mit enorm viel Aufwand und Liebe zum Detail auf die Wünsche eines höchst anspruchsvollen Kundenkreises zugeschnitten. Hinter dem Projekt steht mit „Porsche Exclusive“ jene Abteilung in Stuttgart, deren Spezialgebiet ganz besondere Individualisierungen sind. Quasi ein 911er-Dicksaft im Mischungsverhältnis 7 zu 1 für besonders süchtige Porsche-Junkies.
Der Salzburgring: eine Liebeserklärung zum 40er
Mit der weltweit ersten Rennfahreroper gedachte man Anfang August in seinen Boxengassen dem Mythos Jochen Rindt, jetzt ist der Salzburgring selbst an der Reihe: Die Rennstrecke im Nesselgraben feiert am 12. und 13. September mit einem besonderen Histo Cup Rennwochenende ihren 40. Geburtstag. Im Rahmen des „Race of Legends“ kehren Motorsport-Legenden wie Dieter Quester, Jockel Winkelhock oder Roberto Ravaglia zurück an den Ring.
Klingone in Birkenstock
Neben dieser Studie wird sogar die Straßenhornisse KTM X-Bow zur Stubenfliege. Zumindest optisch. Mit dem BMW Vision EfficientDynamics“ geben sich die Bayern rechtzeitig zur IAA kompromisslos sportlich, aggressiv und zukunftsweisend zugleich. Mit 356 PS, 800 Nm, 700 km Reichweite und gerade einmal 99 Gramm CO2 ist die Studie ein echtes Traumauto – und wird es leider auch bleiben.
Freude am Autofahren, ganz ohne schlechtes Gewissen: Geht es nach BMW, so soll das in Zukunft möglich sein. Während die aktuellen Hybrid- oder gar Elektromodelle nicht gerade vor Erotik sprühen, bietet der BMW Vision EfficientDynamics einen Ausblick in eine Zukunft, in der man mit seinen E-Mobil auch gerne einmal vorm Lieblingscafé auf Parkplatzsuche geht. Philosophisch geht die Sache also in Richtung klingonischer Raumschiffskapitän, der in Birkenstocksandalen auf dem Segway zur Arbeit fährt.
Schönes Biest: Ferrari F458 Italia
Mit Ferrari war es in den letzten Jahren beinahe so wie mit Haferschleim: Inhalt top, Präsentation mangelhaft. Kein Tadel bei den Motoren, doch bei der Optik ist nix gesagt gelobt genug. Es wird erzählt, schwer abhängige Ferraristi fuhren deshalb ihre neuen Scuderias und Scagliettis nur noch bei Nacht. Das ersparte ihnen demütigende Begegnungen mit strahlenden Lambos, schneidigen Alfas und blaublütigen Zondas. Jetzt ist es endlich vorbei mit der Geniererei: Der F458 Italia wird nicht nur der die Steigerungsform der bisherigen Modell-Schwertspitze F430 – sondern auch der erste wirklich schöne Ferrari seit Jahren!
Horch gfälligst zu! Gedanken zu 100 Jahren Audi
Vor 100 Jahren begann die Geschichte des Unternehmens Audi. Damals, noch lange vor dem deutschen Wirtschaftswunder, waren in unseren Breiten noch einige Tugenden verbreitet, die heute ebenso so selten geworden sind wie Banker, die etwas aus der Finanzkrise gelernt haben. Zwei davon spielten bei der Gründung von Audi eine entscheidende Rolle.
100.000 Elektroautos „made in Austria“ bis 2020
Während die Politik mit Pauken und Trompeten auf einen gewaltigen Klima-GAU zusteuert, nimmt die österreichische Industrie die Sache nun scheinbar selbst in die Hand. Bis 2020 will die Plattform „Austrian Mobile Power“ 100.000 Elektroautos auf Österreichs Straßen bringen. Der Clou dabei: Die praktisch emissionsfreien Fahrzeugen sollen nicht nur dabei helfen, Österreichs völlig aus dem Ruder geratenen Emissionszeitplan im Rahmen des Kyoto-Protokolls auf den letzten Drücker doch noch zu schaffen – jedes einzelne der beteiligten Unternehmen will sein spezifisches Know-how einbringen, um in Österreich „leistbare“ Elektroautos auf die Räder zu stellen.
Tell me why I don’t like Mondays
Tell me why I don’t like Mondays… okay: Zuerst crasht ein Alkolenker in meinen geparkten MINI. Wenigstens lässt er sich beim Fahrerflüchten von der Polizei schnappen. Heute also Termin in der BMW-Werkstatt meines Vertrauens für einen neuen Popsch in schickem British Racing Green. Folge: 3 Tage lang kein gepflegter MINImalismus. Als Sekundant hat sich ein grau melierter SLK angekündigt. Höflich lüftet der ältere Herr zum Gruß seinen Blechhut. Leider schießt es ihm dabei derart heftig ins Kreuz, dass die Gelenke pfeifen und die E-Motoren leise winseln. Das Dach bleibt in der Folge offen, zweiter Werkstatten-Ausflug, diesmal zu Mercedes. Mit offenem Dach. Im Platzregen.
“Chinesische Runde” mit Röhrl am Salzburgring
Als ob Salzburg mit dem Gipfeltreffen der Familien Piech und Porsche zur Zukunft der Sportwagenschmiede derzeit nicht ohnehin schon der Nabel der Autowelt wäre, kam es am Montag zu einem weiteren Highlight: Der Vorsitzende des chinesischen Volkskongresses Wu Bangguo stattete der Porsche Holding in Salzburg einen Besuch ab. Die Porsche Holding, europas größter Automobilvertrieb, betreibt als erstes europäisches Unternehmen mehrere erfolgreiche Autohäuse in China – auch für Porsche.
Der Zweck des Besuchs: der studierte Elektrotechnik-Ingenieur nutzt seine Europatour, sich über die Entwicklungen umweltfreundlicher Automobile zu informieren – Elektromotoren, aber auch verbrauchsoptimierte Verbrennungsmotoren.


