So lange ist es noch gar nicht her, da bekam Audi für den ambitionierten, aber hässlichen A2 ordentlich Haue. Knapp 10 Jahre und einige japanische Hybrid-Dampfplauderer später probiert es Audi mit dem A1 jetzt noch einmal bei den Kleinen. Der erste Audi unter vier Meter Länge haut dabei ordentlich auf den Tisch – und ist trotzdem ein echter Grüner.
Von Florian T. Mrazek
Seit über drei Jahren wohne ich nun in der Salzburger Altstadt. Altbau, dicke Wände, Dachterrasse, lässige Lokale in Umfall-Nähe – einfach perfekt. Nur eines trübt die Harmonie: Die Besuche der Freunde wurden – nun, sagen wir mal, selektiver. Das liegt (hoffentlich) noch nicht daran, dass wir alle schön langsam in ein Alter kommen, in dem man sesshaft und träge wird. Vielmehr führte die Parkplatz-Katastrophe in Salzburg dazu, dass so mancher lieber Gäste nach 45 Minuten des Kreisens um die Fußgängerzone entmutigt wieder abdreht und zum heimatlichen Flughorst zurückkehrt. Und das nächste Mal lieber gleich gar nicht mehr startet. Mir selbst bleibt dieses Problem dank Anrainer-Karterl im englischen Go-Kart erspart. Und den Freunden empfehle ich ab Sommer den Audi A1, mit dem auch Parklücken der 4-Meter-Klasse wieder am Radar auftauchen.
DIN A1
Genau 3,95 Meter lang ist der A1, mit dem Audi die Kompaktklasse revolutionieren will (Beuteschema: bisherige MINI- und 1er-BMW-Fahrer). Um den Bayern das lifestylisch angehauchte Klientel abspenstig zu machen, setzt man optisch auf jede Menge Oberklassen-Flair. Singleframe-Kühlergrill, 18-Zöller, LED-Lichter, dazu ein Dachbogen, der verdächtig nach Fiat 500 riecht – schon auf den ersten statischen Fotos macht der A1 jede Menge Wind. Man merkt gleich: Der Kleine will mal ein echter Audi werden und geht dafür brav in die Muckibude. Auch bei der Innenausstattung wird geklotzt statt gekleckert. Das Concert-Radio mit 465 Watt Bose-Bumms gab’s bisher nur in der Oberklasse, ebenso den ganzen Infotainment-Trara samt Bildschirm und MMI. Wirklich Sinn macht das Effizienzprogramm des Bordcomputers. Das zeigt empfiehlt nicht nur den perfekten Schaltzeitpunkt, sondern informiert auch, welcher Verbraucher – etwa Heckscheibenheizung oder Klima – gerade wieviel Sprit verbrauchen.
Hubraum war einmal
Wie ernst es die Ingolstädter mit dem Thema Sparsamkeit meinen, wird auch bei den Motoren offensichtlich: Erstmals werden setzt man bei allen Motorisierungen eines Modells auf Direkteinspritzung und Turboaufladung. Downsizing lautet die Devise! Die beiden TFSI-Benziner kitzeln aus mickrigen 1,2 bzw. 1,4 Litern immerhin 86 und 122 PS. Beim Stärkeren reicht das für 9,2 Sek auf 100 km/h, und das bei 5,4 Liter im Durchschnitt. Lässiges Detail für Technikfreaks, repräsentativ fürs neue Effizienzdenken: Das Alu-Kurbelgehäuse im neu entwickelten Vierzylinder besitzt einen eigenen, vom Zylinderkopf getrennten Kühlerkreislauf. Beim Kaltstart wird das Wasser im Block nicht umgewälzt, was den Motor schneller auf optimale Temperatur bringt.
Mit “Tornadolinie” und “Yachtheckdesign” in die Oberklasse
Den 1,6 TDI gibt’s mit 90 und 105 PS. Bei 10,8 Sekunden auf 100 fliegt einem auch beim Stärkeren der beiden zwar nicht grad das Toupet weg, aber 3,9 Liter Verbrauch sind eben auch eine Ansage heutzutage. Viel interessanter als der ganze Zahlenwahnsinn ist ohnehin die Nachricht, dass es den A1 auch mit dem Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe “S tronic” geben wird. Das schaffte Audi bisher nicht einmal im aktuellen A4, der deswegen ab der nächsten Generation wieder auf Quermotor umgestellt wird. Was sonst noch wichtig ist: Quattro? Nein. Dafür eine elektronische Quersperre vorne, welche die vorderen Räder bändigt. Böses Audi-Gschau? Eh klar, die LED-Taglichter blitzen serienmäßig wie bei den Erwachsenen. Übergewicht? Keine Spur! Mit 1.045 Kilo ist der A1 der leichteste Audi seit dem seligen A2 (der hatte Minimum 895). Stopp-Spar-Automatik? Logo. Damit es noch ruhiger wird an den heimischen Ampeln.
Der A1 wird im März in Genf vorgestellt und wird ab ca. 15.000 Euro ab Sommer bei den Händlern stehen.









